Wunderbar vielstimmige Klangwelten

Augsburger Allgemeine vom 02.04.2019 Beim Chorkonzert von Vox Augustana in der Königsbrunner Kirche Maria unterm Kreuz präsentieren starke Stimmen verschiedene Versionen des „Stabat Mater“. Dabei stehen die Sänger teils im ganzen Raum verteilt Von  Andrea Collisi

Vox Augustana imponierte sowohl vierstimmig, achtstimmig, mit zehn Stimmen oder auch im gemeinsamen Einzelvortrag. Foto: Andrea Collisi

Ein besonderes Konzert konnten die Zuhörer in Maria unterm Kreuz bei der Darbietung „Stabat Mater“ des Vokalensembles Vox Augustana unter Leitung von Dirigent Christian Meiser genießen. Die 22 – wie im Lauf des Abends hörbar – auch jeweils im Einzelgesang versierten Sängerinnen und Sänger hatten für die Fastenzeit diese besondere Aufführung zusammengestellt.

Dreimal Vertonungen zu „Stabat Mater“ (Maria steht) – da war natürlich unter den drei Kirchen der katholischen Pfarreiengemeinschaft naheliegend, es in dieser jüngsten mit dem gleichnamigen Namen aufzuführen, wie der Kirchenmusiker Christoph H. Gollinger, selbst als Sänger mit dabei, in seinen Begrüßungsworten bemerkte. Im Programmtext hieß es dazu: „Ein Text, drei Klangwelten. Das Ensemble will Sie musikalisch mit hineinnehmen in die Welt einer Frau, die die Hinrichtung ihres als Verbrecher zum Tode verurteilten Sohnes miterleben muss und bei ihm bleibt und ihn begleitet, bis er stirbt.“ Es sei eine altorientalisch-christliche Erzählung, die die universalmenschlichen Erfahrungen von Tod, Trauer, Hilflosigkeit und Schmerz vereint, untrennbar jedoch verbunden mit Liebe, Hilfsbereitschaft, Trost und Verbundenheit.

Das Ensemble führte diese Botschaft in drei stilistisch wie klanglich unterschiedlichen Kompositionen aus drei Jahrhunderten auf. Mit den Klangfarben aus der Spätromantik (1854) eröffneten sie das Stabat Mater für Doppelchor von Joseph Gabriel Rheinberger. Als Hauptwerk brachten sie aus der Barockzeit die in der Chorliteratur als Meisterwerk bezeichnete 1715 entstandene zehnstimmige Chorkantate des italienischen Cembalisten Domenico Scarlatti, begleitet von Orgel und Violone, einfühlsam, unaufdringlich und doch virtuos gespielt von Micheal Wersin und Christian Nees. Der Gesang hier wie bei allen anderen Werken wunderbar vorgetragen unter dem Dirigat durch Christian Meister, das durch einerseits sensibel zurückhaltende Weise wie umgekehrt auch Zielgerichtetheit auffiel. Hier bei Scarlatti imponierte die bemerkenswerte Harmonie in der Vielstimmigkeit. Wunderbar die ineinanderfließenden Übergänge der zehn in musikalischer Architektur zueinander abgestimmten Textpassagen.

Den beiden Werken dazugestellt war die zeitgenössische Komposition von Michael Ostrzyga, eine Auftragsarbeit aus dem Jahre 2014 für einen achtstimmigen Chor. Diese, nur wenige Verse kurz, brachte die Trauer und das Leid in einer starken Verdichtung, die eine meditative Grundstimmung verbreitete. Beeindruckend, wie die vielfach hohen Töne dabei wunderbar weich transportiert wurden.

Neben weiterer Chormusik von Johann Kuhnau und Anton Bruckner und einer von Christoph Teichner (Traversflöte) und Michael Wersin (Orgel) dargebrachten Sonate in E-Moll von Jacques Loeillet de Gant bot das Vokalensemble noch ein gesanglich überragend sphärisches Klangerlebnis mit der zeitgenössischen Vertonung „Immortal Bach“ für gemischten Chor vom norwegischen Komponisten Knut Nystedt. Die Besonderheit: Jede einzelne Stimme singt für sich. Jeder Sänger hält nicht nur seine spezielle Tonhöhe, sondern bestimmt sein eigenes Tempo, muss seine Stimme also durchgehend gegen und mit den anderen zusammenhalten, das Ganze auf der Basis eines Chorals von Johannes Sebastian Bach. Ein umwerfend schönes Erlebnis, durch die Einzelaufstellung der Stimmen im Rund der Kirche noch unterstrichen. Der minutenlange Schlussapplaus war begleitet von stehenden Ovationen.

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